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Plastikfrei und kreativ Kochen

Dies ist ein Gastbeitrag von Nina. Nina ist meine Nachbarin “von oben” und da wir eine tolle Hausgemeinschaft mit einem regen Austausch sind, habe ich nach und nach mitbekommen, dass sie ein echter Nachhaltigkeits-Profi ist. Sie konsumiert so gut wie kein Plastik mehr, kennt viele Alternativen und Anleitungen, um konventionelle Produkte mit umweltfreundlichen Lösungen zu ersetzen. Auch in der Küche ist sie konsequent und ernährt sich saisonal und regional, was mich sehr inspiriert hat. Immer wieder haben wir uns über diese Themen unterhalten und ich fand es so spannend, dass mir der Gedanke kam, ihr hier auf dem Blog ein Sprachrohr zu schaffen. Denn ich selbst befinde mich noch auf dem Weg gen gänzlich nachhaltigem Lebensstil und habe manchmal noch nicht die richtige Lösung parat. Nina hingegen hat fast immer einen Tipp oder eine Do-it-yourself-Anleitung. Umso mehr hat es mich gefreut, als sie sich bereit erklärt hat, gelegentlich einen Gastbeitrag auf historyoftaste zu veröffentlichen. So könnt ihr ebenfalls von ihrem Wissen profitieren und neue Inspiration für ein “grüneres Leben” erhalten!

Seit mittlerweile sechs Jahren kaufe ich fast ausschließlich plastikfrei ein. Für jedes Produkt suche ich eine plastikfreie oder sogar möglichst ganz unverpackte Alternative. Die meisten Einkäufe fallen natürlich im Bereich des täglichen Lebens an, ganz besonders bei den Lebensmitteln. Logisch: Sportschuhe kaufe ich vielleicht einmal im Jahr, etwas zum Essen brauche ich aber jeden Tag. Und immer wieder kommt von Freund*innen und Bekannten die Frage, ob es nicht sehr anstrengend sei, plastikfrei zu kochen. Oder ich höre: “Also ich könnte mich nicht so einschränken…” Dabei ist das plastikfreie Kochen alles andere als eine Einschränkung. Im Gegenteil, ich erlebe plastikfreies Kochen als etwas sehr Kreatives!

Das ist mir zu Beginn der Corona-Pandemie besonders aufgefallen. Als noch nicht klar war, wie sich die Pandemie in Deutschland auswirken würde, wurde an vielen Stellen geraten, Essens-Vorräte für zwei Wochen Zuhause zu haben (Wir wollen an dieser Stelle jetzt mal nicht vom Klopapier reden…). Deswegen habe auch ich überlegt, ob ich mit den wenigen Vorräten aus meinen Schränken zwei Wochen lang die zwei Personen in meinem Haushalt, meinen Mann und mich, satt bekäme. Ich habe schnell festgestellt, dass das gar kein Problem darstellt. Denn: Durch das Suchen und Finden plastikfreier Alternativen für ganz viele Lebensmittel bin ich inzwischen sehr geübt in der Improvisation beim Kochen.

Currypulver gibt es nur im Döschen? – Mische ich mir eben selbst ein Gewürz aus dem, was da ist, z.B. Kurkuma, Kreuzkümmel, Pfeffer und Senfkörnern. Streichfett gibt es nur in der beschichteten Verpackung? – Meine Kuchenteige mache ich auf Basis von Ölteigen. Und so weiter… Durch dieses Suchen und Überlegen habe ich mittlerweile ganz viele Alternativen zu herkömmlich verpackten Produkten gefunden, die genauso gut schmecken. Ja oft sogar noch besser dem eigenen Geschmack anpassbar sind. So habe ich auch darauf vertrauen können, dass ich mit allem, was da ist, irgendwie gutes Essen herstellen würde.

Das ist übrigens nicht nur in einem Lockdown praktisch! Sondern auch, um spontanen Esseneinladungen entspannter entgegen zusehen: Irgendwas finde ich immer, woraus ich auch für eine Gruppe von Gästen etwas Leckeres kochen kann, z.B. Ofengemüse vom Blech, für das die verschiedensten Gemüse verwenden lassen: Karotten, Aubergine, Fenchel und/oder Kartoffeln in schmale Schnitze schneiden, in einer Schüssel mit Olivenöl und Salz mischen und auf dem Blech bei 160° Umluft etwa 35 Minuten rösten. Mit einer selbstgemachten Alioli ergibt das ein Essen, das so richtig zufrieden macht! (Für die Alioli: 100ml zimmerwarme Pflanzenmilch mit 4 Knoblauchzehen und einem guten Schuss Salz pürieren, 200ml Öl in derselben Temperatur in ganz feinem Strahl zugießen und nicht aufhören zu pürieren, bis eine cremige Konsistenz erreicht ist. Oder alternativ einen Joghurtdip zubereiten, für den der Joghurt mit Öl, Salz und Oregano angerührt wird.)

Das Ausprobieren von Lebensmitteln in unterschiedlicher Funktion und in verschiedenen Rezepten empfinde ich als sehr kreativ. Es geht mit ganz viel Experimentieren und Lernen einher. Denn in vielen Fällen kann man ja einfach eine Zutat in einem Rezept durch eine andere austauschen, in anderen Fällen aber unterscheiden sich die Zutaten in Geschmack und “Funktion” und ein gewisses Wissen über die Eigenschaften dieser Zutat braucht man dann schon. Ein ganz simples Beispiel: Von meiner Solawi erhalte ich in unregelmäßigen Abständen Mehl – meist aus Dinkel, Roggen oder Einkorn. Das verwende ich dann anstatt verpacktes Mehl zu kaufen. Solche Vollkornmehle brauchen aber ganz andere Mengen an Flüssigkeit als das Standard-Weizenmehl, um zu einem geschmeidigen Teig zu werden – daran musste ich mich erst mal herantasten. 

Auch das Backen ohne Backpulver hat mir Kopfzerbrechen bereitet. Ich habe viel mit Natron experimentiert, das als Triebmittel genauso wie Backpulver funktioniert, aber einen salzig-metallischen Beigeschmack hat – außer, man verwendet es mit einer Säure. Aber selbst dann mag ich den tpischen Natron-Geschmack nur in deftigen Teigen. Manches Gebäck braucht jedoch gar nicht so viel Lockerheit, da kann man das Backpulver auch einfach weglassen. Und für den Rest nutze ich Weinsteinpulver aus dem Unverpackt-Laden oder steige auf Hefeteige um!

Zugegeben, das Experimentieren geht oft auch ganz schön oft daneben, bis das richtige Ergebnis gelingt. Das wahrscheinlich langwierigste Beispiel dafür war meine Pflanzenmilch: Pflanzenmilch gibt es fast ausschließlich in Tetrapaks; ausgerechnet die einzige Hafremilch, die in der Mehrweg-Flasche verkauft wird, schmeckt mir nicht. Also begann ich zuerst mit reiner Hafermilich zu experimentieren: Haferflocken einfach in den Mixer und abseihen, oder vorher aufkochen, oder erst rösten, dann kochen, abkühlen lassen vor dem Abseihen oder nicht, das alles mit oder ohne Zucker und Salz, oder Öl dazu… Ich habe mit der Zeit einige Liter an Pflanzenmilch produziert, und das meiste davon war einfach nur schleimig-unapettitlich. Irgendwann kam ich dann meinem Geschmack näher: Hafermilch schmeckt mir am besten, wenn ich die Haferflocken in kaltem Wasser mixe und abseihe. Die dadurch gewonnene Milch ist mir aber alleine noch zu bitter. Deswegen mische ich sie jetzt mit ebenfalls selbst gemachter Sojamilch – und habe endlich meine perfekte Pflanzenmilch entwickelt. Hat mehrere Wochen gedauert, bist dieses Rezept endlich so schmeckte, wie ich mir das vorstellte – dafür stelle ich diese Pflanzenmilch inzwischen im Handumdrehen her und freue mich jedes Mal, dass ich damit überhaupt keinen Müll produziere.

Hier das finale Rezept für 3/4 Liter Pflanzenmilch: 

Zutaten:

  •  1 EL trockene Sojabohnen (meine kommen aus dem Unverpackt-Laden) 
  •  2 EL feine Haferflocken 
  • 1 TL Zucker 
  • 1 TL neutrales Öl (zB. Sonnenblumenöl) 

 Zubereitung: 

Die Sojabohnen über Nacht in Wasser einweichen. Dann mit einem großzügigen halben Liter Wasser und dem Zucker im Mixer fein pürieren. In einem Topf aufkochen und 15 Minuten bei geschlossenem Deckel leise köcheln lassen. Abkühlen lassen. 

Die Haferflocken mit einem großzügigen 1/4 Liter Wasser und dem Öl im Mixer pürieren. Mit der kalten Sojamilch mischen. 

Durch ein feines Tuch abseihen und im Kühlschrank aufbewahren; vor dem Verwenden aufschütteln. Die Pflanzenmilch hält im Kühlschrank ca. vier Tage. 

Vieles, was man bei solchen Experimenten lernt, kann man schließlich auch auf andere Rezepte übertragen. Das gibt total viel Freiheit, um mal Neues auszuprobieren, aber trotzdem einschätzen zu können, wie das Ergebnis am Ende ungefähr schmecken soll. Und außerdem: Es macht einfach richtig Spaß, sich mit Lebensmitteln so gut auszukennen. Wie wäre es deswegen mal mit einer plastikfreien Eat-up-Challenge, um die eigene Kreativität anzustupsen? Die beste Art, Plastik in der Küche zu vermeiden, ist nämlich, kein neues Plastik zu kaufen. Eigentlich logisch! Und meistens geben die Vorratsschränke genug her, um viele Leckereien damit zu kochen oder backen. Die Herausforderung besteht darin, die vorhandenen Zutaten aufzubrauchen, ohne (viel) Neues für die Rezepte dazuzukaufen. Sonst hat man am Ende unter Umständen mehr in den Schränken stehen als zu Beginn… Frisches Gemüse für die Zubereitung gibt es ja auf dem Wochenmarkt oder in den meisten Biomärkten sowieso ohne Plastik zu kaufen.

Und für den Rest: Inspirieren lassen von dem, was da ist – und kreativ werden! Ich wünsche Euch viel Spaß dabei.

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